Bevor / wenn Probleme zu Notfällen oder Krisen werden

Grundsätzlich sollten LP, SSA, SHP,  Hausdienst oder SL / Behörden, frühzeitig Signale wahrnehmen, zeitnah reagieren, das Vorgehen miteinander besprechen und dabei interdisziplinär zusammenarbeiten.

Folgendes Vorgehen hat sich in der Praxis bewährt - unabhängig vom Ereignis.


Bewährtes Vorgehen

Frage dich Folgendes:

  1. Was macht das Ereignis mit mir?
  2. Wer muss das wissen?
  3. Wann Rückkehr zum Normalzustand?
  4. Wann Krisenteam alarmieren?
  5. Wie Krise / Notfall bearbeiten?
  6. Wann und wie den „Fall“ abschliessen?


1. Was macht das Ereignis mit mir?

Fragen an sich selbst:

  • Erinnert mich das an eine „alte Geschichte“ - habe ich einen biografischen Bezug dazu?
  • Falls JA: Kann ich dennoch möglichst "neutral" an dieses neue Eregnis heran?
  • Kenne ich das "Opfer" / die "Täterschaft" persönlich, habe ich einen persönlichen sehr nahen, oder konflikthafen Bezug?
  • Lässt mich das kalt, ist es mir sogar unwichtig - bin ich allenfalls abgestumpft oder lasse ich es nicht an mich heran - als persönlichen Schutzmechanismus?
  • Würden Andere das Ereignis dennoch als „negativ“ bezeichnen und würden sie darum reagieren?
  • Könnte der Betrieb dadurch gestört, unterbrochen, verunmöglicht werden?
  • Wer könnte mich als Verbündete/n unterstützen?


2. Wer muss das wissen, davon erfahren?

  • Als Mitarbeitende/r erlebst du im Rahmen der Schule ab und zu etwas Aussergewöhnliches
  • Falls du dabei ein «negatives» Gefühl hast und unsicher bis, ob du das nach "oben" an die SL melden solltest...

  Wichtig

  •  Ja, dann melde rasch deine Beobachtung -  besser einmal zu viel als zu wenig
    • Etwas kann sich hochschaukeln, verschlechtern
    • Evtl. hast du ja nur einen Teilaspekt erlebt
  • Welche nächsten Schritte sind sinnvoll?
  • Ab wann soll das Präsidium informiert werden?
  • Wann soll das Krisenteam informiert / alarmiert werden?
  • Wer übernimmt die Fallführung?

  Beachten

  • Die Informationen in Absprache mit der SL nur wenigen LP kommunizieren (allenfalls Verbündeten wie SSA, SPD, andere LP, welche die gleichen SuS unterrichten)
  • Wer durch dieses «Negative»  betroffen sein könnte, wissen diese als LP oder KL am besten
  • Bedenke für dich den "Kreis der Betroffenheit“: 
    • Im Microsystem: (Sitz-) Nachbarn, Projekt-Team, Klasse
    • Macrosystem: Fach, Jahrgang, Schul-Haus, Stockwerk
  • Deine Überlegungen zur Betroffenheit sind wertvoll und werden später bei der Bewältigung einer Krise für das Krisenteam wichtig
  • Biete  spätestens dann deine Hilfe im Handlungsfeld 3 (HF 3) "Interne Kommunikation" an
  • Alle bisherigen Entscheide notieren


3. Wann können wir zurück zum Normalzustand?

  • Wenn keine Care- / Blaulichtorganisation benötigt wird
  • Wenn keine Medien Interesse zeigen
  • Wenn das Ereignis nicht gefilmt oder fotografiert wurde
  • Wenn der Betrieb ohne Hilfe von Aussen wieder „läuft“

Entscheid notieren.



4. Wann das Krisenteam alarmieren?

Sobald folgende Kriterien erfüllt sind, empfiehlt sich die Ereignisbewältigung im Krisenteam:

  1. Wenn Polizei, Feuerwehr, Rettung alarmiert wurden / oder die Polizei hinzugezogen wird
  2. Wenn Medienanfragen erfolgen / oder befürchtet werden
  3. Wenn der Schulbetrieb in einer Klasse, Stufe, Schule durch das Ereignis unterbrochen, blockiert, verunmöglicht wird
  4. Wenn das Ereignis fotografiert / gefilmt wurde / oder auf Social Media erscheinen könnte
  • Erneut: „Kreis der Betroffenheit“ besprechen:
    • Microsystem: Klasse, Team
    • Macrosystem: Schule, Abteilung, (Nachbarn)

Entscheide notieren (resp. Journal führen)



5. Wie die Krise / den Notfall bearbeiten?

  • Mit definierten Zielen und klarer Führung
  • Mit eindeutigen Aufgaben (jeweils an die 4 Handlungsfelder plus Leitung - siehe oben)
  • Unter Einbezug von Verbündeten
  • Mit fortlaufend geführtem „Logbuch“ / Journal
  • Mithilfe von Handlungsempfehlungen zum jeweiligen Thema (vgl. Auswahl auf dem nachfolgenden Bild / vgl. auch Ereignisbewältigung)


6. Wann und wie den „Fall“ abschliessen?

Grundsätzliche Beendigung des "Falles":

  • Nach Abschluss des allfälligen Strafverfahrens / der Versicherungsleistung
  • Nach Evaluation, Dank an das Krisenteam
  • Nach den umgesetzte Anpassungen im Krisenteam (-konzept)
  • Nach der Information an alle Beteiligten über diese Neuerungen / Anpassungen

Beachten
 

Folgende „Teilprobleme“ sollten zuvor analysiert und gelöst werden:

  • Bei verletzten oder psychisch stark belasteten SuS / MA, die sich für einige Zeit von der Schule / Arbeit befreien wollen oder nur reduziert arbeiten können:
  • Welche Mit-, Teil-, Schuld trägt der Schüler / die Schülerin / MA am Geschehen (Verletzung, Tod, Sachschaden)?
  • Rechtsberatung (Konsequenzen für SuS / MA, für Bildungseinrichtung?)
  • Todesfall- / Unfallmeldung gemacht?
  • Wie wird mit bereits angekündigten Aufgaben / Aufträgen umgegangen?
  • Wer springt wo, für wen und für wie lange ein?
    • wie wird diese Person (Teilzeitmitarbeitende, Dienstleister, Lieferanten) informiert und unterstützt?
  • Wer braucht in welchem Umfang welche Art von Unterstützung / Nachbetreuung?
    • welche Gesprächsangebote (intern oder von extern z.B. durch das KRISENKOMPASS®-Team werden in den folgenden Tagen / Wochen gemacht?
    • wer besucht die Person (im Krankenhaus, zuhause, im Gefängnis, an neutralem Ort)?
  • Wer klärt die Wiedereingliederung oder die Entlassung ab?

Beispiel der Abschluss-Relexion, zu welcher sich jedes Handlungsfeld (hier die Leitung des KIT) genügend Zeit nehmen sollte:
Sich fragen
  • Was ist mir bei der Bewältigung und im Führen des KIT gelungen?
  • Wann / wobei hätte ich mir von wem / welche Unterstützung gewünscht?
  • Was brauche ich an Aus- oder Weiterbildung, um besser auf zukünftige Ereignisse vorbereitet zu sein z.B. durch das KRISENKOMPASS®-Team
  • Was will ich an diesen Erkenntnissen den anderen im KIT mitteilen, was soll wie verschriftlicht und wo dokumentiert werden?

Notieren
  • Bis wann werden welche Anpassungen vorgenommen?
  • Bis wann wird diese wem kommuniziert?
  • Wann werden die Anpassungen wie überprüft?

Achtung
  • Falls es ein Strafverfahren gibt, kann der hier vorliegende «Fall» erst nach Abschluss der Verfahrens geschlossen werden!
  • Während dieser Zeit ist vor allem vor und nach der Urteilsverkündung nochmals mit Medienanfragen zu rechnen
  • Die Kommunikation nach innen und nach aussen muss zusammen mit dem HF 2 und HF 3 abgesprochen sein

Klären
  • Zusammen mit HF 1 - 4 die dort aufgeführten noch offenen Punkte

Beachten
  • Evaluierung, welche im Team erfolgen kann


  • Wir begleiten Einzelpersonen, Familien und Institutionen in Übergangs- und Krisensituationen.
  • Wir arbeiten eng mit allen in der Situation Beteiligten zusammen, um kurz- und langfristige Lösungen zu entwickeln.
  • Krisenambulanz unterstützt Menschen und Institutionen in der ganzen Schweiz.
  • Unsere Fachpersonen bieten eine breite Palette von Dienstleistungen an.


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Christian Randegger

Gründer von edyoucare, CEO 17minutes AG, Projektleiter & Mitautor KRISENKOMPASS® und KRISENKOMPASS®-Schule

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